Uta Minnich

Schon lange haben TöpferInnen den bevorzugten Braun- und Beigetönen abgeschworen und damit der rustikalen Natürlichkeit und der unbedingten Verehrung prozeßimmanenter Zufälle. Keramik ist urbaner geworden, kultiviert einen quirligen, unbeschwerten Stil, scheint beweglicher und hat die Farbe und das Dekor zurückgewonnen. Eine neue Generation beherrscht mit Witz und Chuzpe das Marktgeschehen und wendet sich sehr entschieden gegen den weit verbreiteten deutschen Zwang zur Perfektion, aber auch gegen die Überfrachtung der Keramik mit weltanschaulichen Bekenntnissen und Konzepten.

 

Keramik ist urbaner geworden, kultiviert einen quirligen, unbeschwerten Stil…

Ein Glücksfall für die Szene

Uta Minnich, so scheint es, folgte dabei weniger einem Trend, sie kreierte ihn vielmehr mit. Man glaubt ihr ihre Entscheidungen und daß ihre Keramik viel weniger einer Mode entspricht, als vielmehr ihrem sehr eigenen Lebensgefühl entspringt…

…Der Erfolg von Uta Minnich gründet in der Authentizität ihrer Stücke, die man als BenutzerIn spürt. Sie steht beispielhaft für eine ganze Riege jüngerer KeramikerInnen, die Ton erfolgreich von dem langwährenden Diktum „back to nature“ befreiten. Anstelle des unplanbaren, zufälligen Spiels der Elemente, setzten diese die ungeplante, individuelle Reaktion dessen, der mit diesen Elementen umgeht. Geblieben ist, daß man Platz schuf für das Spontane, das Abenteuer der Begegnung Mensch und Material. Hier wird Technik und eben nicht das Material beherrscht. Dieses wird vielmehr erkundet, umworben. Die Begeisterung überträgt sich auf den, der mit der Keramik von Uta Minnich umgeht.

Ein Glücksfall für die Szene.
aus: KeramikMagazin 4/99 „Ich mag nicht das Geradlinige“ von Gabi Dewald